Mikrofone für Podcasts

Ich habe mich selbst lange durchkämpfen müssen, um mir eine Übersicht zu verschaffen. Ich wollte verstehen welche Mikrofone es gibt und welche am besten für einen Podcast geeignet sind.
Denn eins ist klar: Audioqualität ist bei einem Podcast nunmal sehr wichtig!
Viele Mikrofone werden als Gesangs- oder Instrumentenmikrofon vermarktet, obwohl man sie auch sehr gut für Sprache verwenden kann. Außerdem fliegen in dem Bereich viele Buzzwords wie “Großmembran”, “Niere” oder “Kondensator” herum. Das kann alles sehr verwirrend sein. Daher möchte ich hier Licht ins Dunkel bringen und auch eine Empfehlung ausprechen.

Ungeeignete Mikrofone

Gleich mal vorweg alles, was man prinzipiell vergessen kann:

  • Gaming Headsets. Gute Mikrofon-Qualität in einer kleinen Headset-Kapsel unterzubringen ist aufwendig und teuer. Ich kenne kein Gaming Headset, was eine gute Audioqualität bringt.
  • Fast alle Mikrofone unter 100€ haben eine schlechte Qualität, also fast alles was es so im Elektrofachmarkt an Mikrofonen zum anschließen an Computer gibt ist für einen guten Podcast ungeeignet.
  • Eingebaute Mikros im Handy oder Laptop.

Grundlegende Bautypen

  1. Ansteckmikro, oder auch “Lavalier-Mikrofon” – man kann es am Kragen festclipsen.
  2. Nackenbügelmikro – oder auch Headset-Mikro. Ein Mikrofon an einem Drahtbügel, den man sich wie eine umgekehrte Brille an den Ohren befestigt.
  3. Headset, oder auch “Hör-/Sprechgarnitur” – ein Kopfhörer mit Mikrofon dran
  4. “Klassisches” Mikro zum in der Hand halten, bzw. in ein Stativ schrauben.

Zu 1. und 2. hab ich wenig Erfahrungen, sie sind nämlich recht teuer. Es gibt sie im Prinzip nur in Verbindung mit Funkstrecken. Das heißt alle Gesprächsteilnehmer müssten einen Akkubetriebenen Empfänger tragen. Am Aufnahmegerät muss man dann eine Empfangstation anschließen.
Es gibt zwar Adapter auf “normale” XLR Buchsen, um sie direkt am Aufnahmegerät anzuschließen, da muss man aber sehr aufpassen. Diese Mikros haben oft Herstellerspezifische Anschlüsse, außerdem eine Phantomspeisung, die oft von den gängigen 48V abweicht. Also für diesen Weg muss man sich genau informieren und auch eine Menge Geld locker machen.

Zu 3. gibt es einige wenige Modelle, die eine gute Aufnahmequalität bieten. z.B. das von Tim Pritlove empfohlene Beyerdynamic DT297.
Es bietet einige wesentliche Vorteile:
– die Gesprächsteilnehmer müssen nicht auf den richtigen Abstand zum Mikro achten, wenn es einmal richtig eingestellt ist.
– die Gesprächsteilnehmer hören sich über den Kopfhörer selbst sprechen. Das gibt ein gutes Feedback darüber ob man Störgeräusche macht, laut genug spricht, etc.

Nachteile:
– Die Dinger sind riesig. Sie umschließen den Kopf komplett und man sieht damit wie ein Pilot aus. Sie sind meiner Meinung nach nicht für alle Gesprächsformen und Typen von Gesprächspartnern geeignet.
– Sie sind recht teuer.

Zu 4. – Mein Favorit. Man bekommt klassische Stabmikros in guter Qualität ab 100€.
Die Nachteile sind:
– Gesprächsteilnehmer müssen das Mikro richtig halten. Ggfs. muss man während des Gesprächs daran erinnern.
Dennoch habe ich sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Die Aufnahmequalität stimmt. Wenn die Leute sich selbst hören sollen, kann man extra Kopfhörer bereitstellen. Von einer Stativhalterung würde ich abraten. Man versteift sich dann und kann sich nicht einfach mal im Sitz zurücklehnen. Lautstärkeschwankungen durch nicht ganz perfektes halten des Mikros werden gut über Auphonic ausgeglichen.

Technik

Es gibt eine Reihe von technischen Eigenschaften, die einen ganz schön verwirren können. Wenn es darum geht Podcasts aufzunehmen, kann man sich auf wenige Punkte fokussieren.

Charakteristik

Das ist rasch erklärt – Es beschreibt einfach wie stark das Mikro Geräusche aus anderen Richtungen ausblendet. Es geht von Kugel (Geräusche aus allen Richtungen) über Niere und Superniere bis Hyperniere (sehr eng gerichtet).
Ich würde Nierencharakteristik empfehlen. Das reicht aus um Hintergrundgeräusche auszublenden, man muss aber nicht zu stark aufpassen, dass das Mikro auch genau auf den Mund zeigt.

Großmembran, Kleinmembran

Das sagt nur wie groß die Membran im Mikrofon ist, die auf Schallwellen reagiert. Großmembranmikrofone sind beim Radio beliebt, weil die Stimme besonders voll und bassig klingt. Dafür sind sie aber auch sehr empfindlich. Sie werden häufig in einer sogenannten Spinne an Fäden aufgehängt, damit sie gegen Erschütterungen geschützt sind. Außerdem verwendet man sie oft mit einem extra Popschutz, da sie dagegen empfindlich sind. Poppen heißt man hört in der Aufnahme ein lautes Geräusch wenn jemand Buchstaben wie P oder T sagt.
Kleinmembranmikros bieten ebenfalls eine sehr gute Aufnahmequalität, sind aber allgemein unempfindlicher, daher meine Empfehlung.

Kondensator, Dynamisch

Dynamische Mikros sind unempfindlicher. Das heißt man kann sie gut auf der Bühne verwenden und auch mal hineinbrüllen.
Für Sprache sind im allgemeinen Kondensatormikrofone gut geeignet, weil sie empfindlicher sind und die einzelnen Laute besser abbilden.
Beim Radio werden auch überwiegend Kondensatormikros eingesetzt.
Der Nachteil ist, dass man eine sogenannte Phantomspeisung braucht. Das Aufnahmegerät, Mischpult, etc. muss das anbieten – tun die meisten aber auch.

USB Mikrofone

Gleich vorweg: Ich rate davon ab mit einem Computer Podcasts aufzunehmen. Computer neigen dazu einem im falschen Moment mit irgendwas die Aufnahme zu versauen (Andere Programme, Updates, Softwareprobleme, Treiber).
Wenn man es dennoch tun möchte, kann man sich einfach ein sogenanntes Podcaster Mikrofon bestellen, dass man über USB anschließen kann.

Meine Empfehlung

Ich selbst nutze das Rode M3.
– Es kostet knapp 80€ und bietet für den Preis eine super Sprachqualität.
– Man kann eine Batterie einlegen und an Geräten aufnehmen, die keine Phantomspeisung bieten
– Passendes Kabel: von Cordial – nicht ganz billig, aber am Kabel sollte man nie sparen.

Weiterlesen

Wem das hier noch nicht reicht, dem seien folgende Quellen ans Herz gelegt:
Lautsprecher-Podcast von Tim Pritlove. Er hat ein viel komplexeres und auch viel teureres Setup. In dieser Podcast-Serie gehts es sehr in die Tiefe zum Thema Aufnahmetechnik.
Mikrofon-Übersicht von Thomann. Zwar mit dem Fokus auf Musik, aber dennoch recht umfassend und interessant.

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