Wie man einen Podcast startet

Es kann sehr verwirrend sein einen Podcast zu starten. Es gibt so viele offene Fragen: Welches Aufnahmeequipment brauche ich? Wie macht man das überhaupt? Wie veröffentlicht man einen Podcast?

Dieser Artikel gibt einen Einblick für Einsteiger in 3 Abschnitten:

  1. Aufnahmehardware
  2. Software zur Bearbeitung des Podcasts
  3. Gefunden werden: Vertrieb und Hosting

Aufnahmeequipment

Gute Audioqualität ist wichtig. Es ist sehr anstrengend einem Podcast zu folgen, der einfach mit dem Handy, dem Notebook, oder einem Gaming-Headset aufgenommen wurde.

Ich würde außerdem empfehlen ein dediziertes Aufnahmegerät dafür zu verwenden. Man kann zwar auch mit dem Computer aufnehmen – es gibt aber 1000 Möglichkeiten wie eine Aufnahme am Computer schief gehen kann. Ein gutes Aufnahmegerät ist deutlich sicherer und einfacher – und bringt gleichzeitig alles mit was man für eine professionell klingende Aufnahme braucht.
Für alle, die sich das gar nicht erst durchlesen wollen, gleich hier meine Liste:

Damit ist man schon mal bei 330€ wenn man ein Gespräch mit 2 Gästen führen möchte. Nicht ganz billig der Spaß. Aber die Hörer werden es euch danken!

Aufnahmegerät

Ich habe mit den Geräten von Zoom gute Erfahrungen gemacht.

Welches Gerät man braucht richtet sich einfach nach der maximalen Anzahl der Gesprächspartner:

(* 1 Person hat kein eigenes Mikro, sondern spricht direkt ins Aufnahmegerät)

Die Geräte bringen die erforderliche Phantomspannung mit um die empfohlenen Mikrofone damit betreiben zu können.
Ich empfehle zusätzlich zu den Internen Akkus / Batterien das Gerät bei der Aufnahme über ein (langes) Mikro-USB Kabel mit Strom zu versorgen. Entweder von einer Powerbank, oder von einem Ladegerät. Es ist ärgerlich und vermeidbar, dass einem mitten im Gespräch der Saft ausgeht.
Außerdem eine möglichst große Speicherkarte, damit diese nie im falschen Moment voll wird. Die Karte solle von Zoom zertifiziert sein, es kann sonst Probleme geben. Für die Internen Akkus empfehle ich Eneloop & ein passendes Ladegerät.

Mikrofone

Die Auswahl an Mikrofonen ist leider recht unübersichtlich. Ohne näher ins Detail zu gehen, empfehle ich Kondensatormikrofone. Sie brauchen die bereits genannte Phantomspeisung. Es gibt Mikros mit Großmembran und Kleinmembran. Ich empfehle Kleinmembran, da sie leichter zu handhaben sind.
Beim Kabel nicht sparen, es soll einiges aushalten und einen nie im Stich lassen. Außerdem empfehle ich unterschiedliche Farben für die Kabel!

Pro Gesprächsteilnehmer:

Die Aufnahme

Man sollte sich einmal das Handbuch vom Zoom-Gerät durchlesen. Die wichtigste Einstellung hier: Phantomspeisung 48V aktivieren.
Wenn man mehrere Mikros angeschlossen hat, wird das Gerät meistens im Multitrack-Modus arbeiten. D.h. man bekommt nur (ziemlich große) WAV-Dateien, keine MP3s und die Gesprächsteilnehmer haben jeder eine eigene Datei. Wenn es euch zu lange dauert die WAV-Dateien zu Auphonic hochzuladen, kann man sie vorher schon als MP3 konvertieren.

Software für Audio-Bearbeitung

Es gibt 2 Arten von Programmen, die wir hier verwenden können (auch wenn sich der Funktionsumfang der Programme häufig überschneidet)

  1. Software zur Qualitätsverbesserung: Rauschen, Störgeräusche, Lautstärkeanpassung.
  2. Schnittsoftware um Stellen zu entfernen, die nicht mit veröffentlicht werden sollen. Evtl. auch um Musik, Sound, etc. hinzuzufügen.

Software für Qualitätsverbesserung

Sehr wichtig: Lautstärke wird an einen allgemeinen Podcast-Standard angepasst, alle Sprecher werden aneinander angeglichen, Störgeräusche werden entfernt. Hier gibt es von mir nur eine deutliche Empfehlung: Auphonic. Es gibt 2 Varianten, eine zum herunterladen und eine Online-Version. Die Online-Version ist einfacher und hat mehr Features zu bieten.

Einfach die Aufnahme hochladen, alle Daten zur Episode eintragen und auf bearbeiten klicken. Als Output-Format empfehle ich MP3 in 96 kbit/s. Das ist ein guter Kompromiss zwischen Dateigröße und Qualität. Außerdem wird MP3 momentan noch am besten unterstützt. Die fertig bearbeitete Datei kann man dann wieder herunterladen, oder in seiner Dropbox speichern lassen.

Software zum schneiden

Wenn man beim aufnehmen etwas aufpasst, muss man oft gar nicht schneiden. Auphonic bietet außerdem die Möglichkeit ein Intro und ein Outro anzufügen. Wenn doch mal am Ende oder Anfang ein paar Minuten abgeschnitten werden sollen empfehle ich für Anfänger ein einfaches Tool wie  MP3DirectCut für Windows oder ocenaudio für macOS. Zu beachten ist, dass diese einfachen Tools nur eine Spur bearbeiten können. D.h. wenn man mehrere Spuren aus dem Zoom bekommt, ist es am einfachsten erst alles über Auphonic laufen zu lassen (“Multitrack Production”). Im Ergebnis hat man dann ein MP3 mit nur einer Spur – diese kann man dann leicht schneiden.
Fortgeschrittene wissen vermutlich schon womit sie am liebsten arbeiten, um auch mehrspurig zu schneiden – z.B. Audacity.

Gefunden werden: Vertrieb & Hosting

Irgendwo muss man den Podcast ja herunterladen, bzw. anhören können. Das heißt man braucht eine Website bzw. einen Dienst, der das Verteilen der Podcast-Episoden übernimmt.

Es gibt im Prinzip 2 Möglichkeiten:

  1. Ein Dienst wie Soundcloud, evtl. ergänzt um eine Webpräsenz bei Squarespace, Facebook etc.
  2. Eine eigene WordPress-Seite mit einem Podcast-Plugin

SoundCloud

Würde ich für technisch unbegabte, bzw. Leute mit wenig Zeit empfehlen. Mit wenigen Klicks kann man dort einen Podcast anlegen, der dann auch automatisch in die Verzeichnisse eingetragen – und somit auch mit den gängigen Apps gefunden werden kann. Man braucht dann nur noch seine Audio-Dateien für die einzelnen Folgen dort hochzuladen und der Podcast ist im Prinzip schon fertig.

Wenn man noch eine eigene Webpräsenz haben will, kann man sich eine Website z.B. bei SquareSpace oder Jimdo zusammenklicken. Man legt dann einfach für jede neue Episode einen neuen Beitrag an. Den SoundCloud-Player für die jeweilige Epsiode kann man dann ganz leicht einbetten (wie ein Youtube-Video).

Eigene WordPress Website

Schöner ist es den Podcast auf einer Website einzurichten, die einem auch wirklich selbst gehört. Wenn man es ernst meint mit dem Podcast, viel Arbeit und Zeit hineinsteckt, dann ist es bedenklich das ganze Werk dann so komplett aus der Hand zu geben und sich von einem privaten Anbieter abhängig zu machen, der jederzeit pleite gehen kann, oder einem irgendwie reinpfuschen will.

  1. Einen Hoster raussuchen, der eine sogenannte 1-Click WordPress Installation bietet (ich nutze gern easyname) eine Domain anmelden, ein Hosting-Paket wählen (zu Beginn einfach das kleinste) und die 1-Click WordPress Installation starten.
  2. Über www.Domain.com/wp-admin loggt man sich in den Administrationsbereich der neuen Website ein.
  3. Nun kann man über “Plugins” eines der zahlreichen Podcast-Plugins installieren. Ich selbst verwende Podlove, Seriously Simple Podcasting scheint auch nett zu sein.
  4. In den Plugin-Einstellungen richtet man dann den Podcast ein. Meist kann man  über das Plugin den Podcast auch gleich im iTunes-Verzeichnis (dem wichtigsten Podcast-Verzeichnis) anmelden, so dass der Podcast von den gängigen Apps auch gefunden werden kann.
  5. Nachdem das Podcast-Plugin eingerichtet ist, kann man in WordPress zusätzlich zu den normalen Blogbeiträgen auch Podcast-Episoden anlegen:  Audiodatei und Bilder hochladen, Texte eingeben, fertig!

Soo kompliziert ist das mit der eigenen Website also auch nicht. Man sollte sich halt ein wenig mit WordPress auseinandersetzen, und vielleicht mal die Doku von dem jeweiligen Plugin durchlesen.

Podcast Verzeichnisse

Es gibt viele Podcast-Verzeichnisse, wo man Podcasts finden kann. All diese Verzeichnisse finden euren Podcast nicht von selbst. Man muss sie alle abklappern und seinen Podcast dort eintragen. Man braucht dazu den Podcast Feed – eine spezielle Adresse, wo die Folgen und die Beschreibung des Podcasts zu finden sind. Im Podlove Plugin findet man die Feed-Adresse im WordPress-Admin-Menü unter Podlove -> Podcast-Feeds.
Also sofern das nicht über das Plugin oder eine andere Software schon erledigt wurde, müssen wir das jetzt noch per Hand erledigen, damit der neue Podcast auch gefunden werden kann! Eine Anleitung gibts dazu hier.

So – das wars mal von mir dazu. Ich würd mich sehr über Feedback freuen dazu was noch unklar geblieben ist, was man noch besser erklären sollte etc.
Ansonsten: Viel Freude mit eurem neuen Podcast!

2 Antworten auf „Wie man einen Podcast startet“

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